Ein Zifferblatt mit Sonnenschliff besitzt ein radiales Schliffmuster, das vom Mittelpunkt des Zifferblatts nach aussen zu den Rändern verläuft. Dadurch entsteht ein Lichteffekt, der sich mit dem Blickwinkel kontinuierlich verändert. Unter direktem Licht erzeugt ein korrekt ausgeführter Sonnenschliff einen Helligkeitsverlauf über die Oberfläche des Zifferblatts: Der Bereich nahe der Lichtquelle wirkt heller, die gegenüberliegende Seite dunkler, und der Übergang zwischen beiden wandert mit der Bewegung der Uhr. Dieses dynamische Lichtverhalten ist das kennzeichnende Merkmal des Sonnenschliffs und das wichtigste Qualitätsmerkmal bei der QC-Beurteilung. Zifferblätter mit Sonnenschliff finden sich bei eleganten Uhren, Sportuhren und Funktionsuhren in einer breiten Farbpalette. Das Finish gehört zu den am häufigsten spezifizierten Zifferblattbearbeitungen in der Produktion von Replika-Uhren.
In der Praxis
- Die Gleichmässigkeit des radialen Musters ist das wichtigste Prüfkriterium für die Fertigungsqualität. Die Schlifflinien sollten über den gesamten Zifferblattumfang sauber und gleichmässig vom Zentrum bis zum äusseren Rand verlaufen. Linien, die unregelmässig zusammenlaufen, ungleichmässige Abstände aufweisen oder nicht von einem gemeinsamen Mittelpunkt ausgehen, ergeben ein Muster, das bei genauer Betrachtung von der Spezifikation abweicht. Am deutlichsten zeigt sich dies auf frontal unter direktem Licht aufgenommenen QC-Fotos, auf denen die radiale Struktur des Finishs klar erkennbar ist.
- Das Verhalten des Helligkeitsverlaufs unterscheidet einen tatsächlich ausgeführten Sonnenschliff von einer gedruckten Nachahmung. Ein mechanisch mit Sonnenschliff bearbeitetes Zifferblatt erzeugt einen weichen, kontinuierlichen Helligkeitsverlauf, der sich verändert, wenn das Zifferblatt relativ zur Lichtquelle gedreht wird. Eine Hälfte des Zifferblatts wirkt hell, die gegenüberliegende dunkel; mit verändertem Winkel kehrt sich dieses Verhältnis um. Ein gedruckter Sonnenschliffeffekt, bei dem der Verlauf als unveränderliche Druckschicht aufgebracht wird, verändert sich nicht dynamisch mit dem Blickwinkel. Die gedruckte Variante wirkt unabhängig von der Ausrichtung des Zifferblatts zum Licht stets gleich. Dieser Unterschied ist auf jedem schräg unter direktem Licht aufgenommenen QC-Foto sichtbar.
- Die Farbtreue von Zifferblättern mit Sonnenschliff muss bei neutraler Beleuchtung beurteilt werden. Solche Zifferblätter werden in vielen Farben gefertigt — Blau, Grün, Silber, Grau, Schwarz, Champagner und weiteren —, wobei jede Farbe je nach Referenz ein spezifisches Erscheinungsbild hat. Viele Sonnenschliff-Farben verändern sich unter verschiedenen Lichtquellen deutlich: Ein blaues Zifferblatt mit Sonnenschliff kann unter einer Lichtquelle tief dunkelblau und unter einer anderen leuchtend blau wirken. Zur Beurteilung der Farbtreue ist ein QC-Foto unter neutralweissem Licht erforderlich, nicht unter warmer Innenbeleuchtung, die Blau- und Grüntöne in Richtung Grau oder Gelb verschiebt.
- Ein klar definierter Mittelpunkt ist ein Qualitätsmerkmal im Detail. Bei einem korrekt ausgeführten Zifferblatt mit Sonnenschliff laufen alle radialen Schlifflinien in einem einzigen, sauberen Mittelpunkt zusammen — dem geometrischen Zentrum des Zifferblatts. Ein sichtbar aussermittiger Punkt oder ein Zusammenlaufen der Linien in einem rauen oder unregelmässigen Bereich statt in einem sauberen Punkt deutet auf einen Ausrichtungsfehler bei der Fertigung hin. Dieses Detail ist auf frontalen QC-Nahaufnahmen sichtbar und unter Vergrösserung noch deutlicher erkennbar.
- Die Gleichmässigkeit des Schliffs unter aufgesetzten Elementen ist in der High-End-Qualitätsstufe ein Präzisionsmerkmal. Bei Referenzen, bei denen aufgesetzte Indizes, ein Skalenring oder andere Elemente auf der Sonnenschliff-Oberfläche sitzen, sollte der Schliff gleichmässig bis an die Kante jedes aufgesetzten Elements verlaufen, ohne Verzerrungen oder Unterbrechungen des radialen Musters unmittelbar an dessen Basis. Verzerrte Schlifflinien um die Füsse aufgesetzter Indizes deuten darauf hin, dass die Indizes nach dem Schleifen mit unzureichender Sorgfalt gegenüber der umgebenden Oberfläche angebracht wurden.
Häufige Fehler
- Die Qualität des Sonnenschliffs anhand frontaler Fotos bei flacher Beleuchtung beurteilen. Flaches Licht von oben unterdrückt die für einen Sonnenschliff charakteristischen Lichtverläufe — das Zifferblatt kann gleichmässig hell oder dunkel erscheinen, ohne den typischen Helligkeitsübergang, der eine tatsächlich mit Sonnenschliff bearbeitete Oberfläche auszeichnet. Am genauesten lässt sich die Qualität des Sonnenschliffs anhand leicht schräg aufgenommener Fotos unter direktem Licht beurteilen, auf denen der Verlauf über die Zifferblattoberfläche deutlich sichtbar ist.
- Eine Farbbeurteilung anhand von Innenaufnahmen akzeptieren, ohne die Lichtquelle zu berücksichtigen. Warme Innenbeleuchtung verändert die Farben von Zifferblättern mit Sonnenschliff deutlich — Blau wirkt grau, Grün wirkt olivfarben und Silber wirkt gelblich-weiss. Die Farbtreue eines Zifferblatts mit Sonnenschliff sollte immer anhand eines Fotos unter neutralweissem Licht oder natürlichem Tageslicht beurteilt werden. Liegen nur Innenaufnahmen vor, lässt sich die Farbtreue vor dem Kauf nicht zuverlässig bestätigen.
- Einen gedruckten Sonnenschliff-Effekt mit einem mechanisch erzeugten Schliff verwechseln. Bei niedrigeren Fertigungsqualitäten werden Zifferblätter mit Sonnenschliff mitunter hergestellt, indem ein Verlaufsmuster auf die Oberfläche gedruckt wird, statt sie mechanisch zu schleifen. Die gedruckte Variante wirkt bei flacher Beleuchtung in Farbe und Muster korrekt, erzeugt aber nicht das dynamische Lichtspiel einer tatsächlich geschliffenen Oberfläche. Wenn die Qualität des Sonnenschliffs wichtig ist, lässt sich nur durch das Anfordern eines schräg aufgenommenen Fotos unter direktem Licht zuverlässig feststellen, ob die Oberflächenbearbeitung mechanisch erfolgt oder aufgedruckt ist.
Verwandte Begriffe
Zifferblatt · Aufgesetzte Indizes · Guilloché · Méga Tapisserie · Grande Tapisserie · Rehaut
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Einen umfassenden Überblick über Oberflächenbearbeitungen von Zifferblättern bei Replika-Uhren — darunter Sonnenschliff, Guilloché und tapisserie sowie deren Beurteilung anhand von QC-Fotos — bietet der Ratgeber zu Zifferblättern von Replika-Uhren